Rest in Peace. Ruhe in Frieden.
(von Ingo C. Müller)
Wohl kaum eine andere Aussage verbindet
uns Menschen so sehr miteinander wie diese
drei weltberühmten und ehrwürdigen Worte.
Wenn ein Mensch von uns geht,
wünschen wir ihm, in Frieden zu ruhen.
Was selbstredend gut und richtig wie auch
ein Zeichen von Achtung und Respekt ist!
Dabei ist es unerheblich, ob wir diesen Menschen zu seinen Lebzeiten persönlich kannten oder nicht. Unsere Herzen empfinden Mitgefühl und Betroffenheit. Und wünschen seiner Seele Ruhe und Frieden. Rest in Peace.
Und allen Angehörigen Halt, Kraft, Zuversicht
und noch Vieles mehr.
In diesen Momenten scheint die Welt
still zu stehen. Und die Zeit stehen zu bleiben.
Wir halten inne. Fühlen. Trauern.
Lieben. Erinnern uns.
Und werden uns unserer Endlichkeit und begrenzten Zeit hier auf Erden bewusst.
Fast alles andere im Außen wird nebensächlich und verliert nahezu völlig an Bedeutung.
Wir atmen durch und gefühlt für die verstorbene Person mit – in der absolut verständlichen Hoffnung, dass sie zu uns zurückkehrt
und wir so noch viel mehr Zeit mit ihr
verbringen dürfen…..
Leider muss häufig erst etwas Schlimmes
oder Trauriges geschehen, damit wir Menschen zusammenrücken. Damit wir uns hinterfragen und uns bewusst wird, was wirklich wichtig ist und dass sich etwas ändern muss.
Damit uns gewahr wird, worum es letztlich
doch immer wieder geht.
Um das Leben. Um die Liebe.
Unsere Gesundheit. Unsere Kinder.
Unsere Freunde. Unsere Freiheit. Unsere Würde.
Frieden. Respekt. Mitgefühl.
Menschlichkeit und noch so Vieles mehr.
Wenn ein Mensch stirbt und von uns geht,
kehren fast alle Menschen in ihr Herz zurück.
Rivalitäten rücken in den Hintergrund.
Sogar Missgunst und Antipathie verblassen teilweise bis zur Unkenntlichkeit.
Selbst aus zuvor erbitterten Gegnern vermögen zumindest mitunter Personen zu werden,
die wieder bereit und dazu fähig sind,
sich Respekt und Mitgefühl zu zollen.
Der Tod schafft es regelmäßig, uns Menschen
und sogar sich zuvor als “Feinde” deklarierte
und aufführende Personengruppen
in der Trauer zu vereinen.
Möge sie/er in Frieden ruhen und möge sie ihren bzw. er seinen Frieden finden.
Diese Aussage zeugt wie gesagt von Achtung
und Respekt. Und unserer Menschlichkeit.
Auf diese Aussage können wir uns alle einigen.
Zumindest so gut wie alle.
Leider gibt es ja heutzutage durchaus vereinzelt noch Personen, die so in ihrem Groll, Unmut, Hass und Zorn verhaftet und gefangen sind,
dass sie selbst nach dem Tod eines Menschen noch über diesen hetzen und schimpfen.
Und gefühlt eher über dessen Ableben jubilieren,
triumphieren oder jenes gar für sich zu instrumentalisieren wissen.
Doch darum soll es jetzt nicht gehen.
Mir geht es vielmehr um den Wert eines jeden Menschenlebens. Um unsere Verbundenheit.
Um das, was uns alle eint.
Was unsere Herzen sich doch alle wünschen.
Denn wünschen wir uns lediglich,
in Frieden zu ruhen?
Können wir uns tatsächlich nur auf diese eine Aussage (“R.I.P.”, Rest in Peace) einigen?
Das glaube ich nicht. Wir können noch viel mehr.
Denn ist es nicht noch viel wünschenswerter
und wäre es nicht noch von weitaus wichtigerer
Bedeutung, wenn wir uns bereits vor unserem Tod auf Ruhe und Frieden einigen?
Dass wir uns bereits ZUVOR und somit während unseres Lebens gegenseitig schenken,
in Frieden miteinander zu leben….!?!
In Respekt und Achtung voreinander.
In Verständnis und Mitgefühl füreinander.
In Freiheit und Toleranz wie auch
im Dialog und Austausch miteinander.
Wir alle haben unsere eigene Geschichte
hinter uns. Wir alle haben unterschiedliche Erfahrungen gemacht.
Haben etwas anderes erlebt. Nehmen unterschiedlich wahr, wurden individuell geprägt.
Wir fühlen teils ähnlich, teils ziemlich anders.
Wir alle haben unsere persönlichen Träume, Wünsche, Visionen, Ängste, Sorgen, Verletzungen und noch so Vieles mehr.
Wir alle lieben irgendetwas und irgendwen. Wünschen uns, gesehen zu werden.
Gehört und geschätzt. Geliebt.
Glücklich und gesund. Frei und lebendig.
Uns frei zu entfalten. Unsere Träume zu verwirklichen. Zu wachsen. Zu heilen. Zu leben.
Einfach nur zu sein. So, wie wir sind.
Dazu sind wir alle hier.
Nicht nur, um später in Frieden zu ruhen.
Sondern um jetzt in Frieden zu leben.
Hierzu kommt es auf uns alle an.
Auf jede und jeden Einzelne(n) von uns.
Es wird niemand kommen, der uns alle rettet.
Das können nur wir. Du und ich. Wir alle.
Wir alle sind die Hoffnung und Zuversicht,
die wir alle in uns tragen.
Wir alle sind die Liebe, Güte und Menschlichkeit,
die unsere Herzen leuchten lassen.
Wir alle sind der Respekt, Frieden und Fortschritt, den es mehr denn je bedarf.
Wir alle sind das Mitgefühl und Verständnis,
welche es zunehmend benötigt.
Wir alle sind jene, die Geschichte schreiben.
Die manifestieren und gestalten.
Die erschaffen und kreieren.
Die erhalten und bewahren.
Die jetzt und besonders in der aktuellen Zeit
zeigen und beweisen können, dass wir aus unserer Menschheitsgeschichte gelernt haben.
Und die Evolution auch in unseren Herzen Einzug zu erhalten vermag. Ganz besonders dort.
Mögen wir einander zeigen und offenbaren,
dass Menschenleben weitaus wichtiger
als Landesgrenzen sind.
Liebe wertvoller als jegliche politische
oder religiöse Ansicht.
Frieden bedeutsamer als persönliche Interessen.
Freiheit alternativloser als Macht.
Würde unabkömmlicher als Luxus.
Menschlichkeit elementarer als ein wie auch immer definierter gesellschaftlicher Status.
Mögen wir uns Hände reichen und
uns mit offenen Herzen begegnen.
Mögen wir in den Austausch gehen und
uns wieder verstehen lernen.
Mögen wir unsere Unterschiede respektieren lernen und daran wachsen.
Mögen wir unsere Gemeinsamkeiten
zu schätzen wissen und durch unsere Verbundenheit heilen.
Lasst es uns endlich tun.
Für alle, die bereits voraus gegangen sind.
Für uns und für alle, die uns am Herzen liegen.
Für alle, die uns nachfolgen werden.
Lasst uns nicht weiter apathisch und ängstlich zuschauen, wie die wahren Werte und all jenes, was wirklich wichtig ist, immer mehr im Machtstreben einzelner Personen und im Lobbyismus verschiedener Interessengruppen verloren zu gehen scheint.
Mögen wir nicht erst am Ende unseres Lebens
in Frieden ruhen, sondern bereits zuvor
in Frieden miteinander leben.
Dies wäre ein Zeichen von Menschlichkeit
und emotionaler Intelligenz. Und würde
von Entwicklung und Fortschritt zeugen.
Weiterentwicklung zeigt sich nicht nur in Medizin, Technik und Wissenschaft.
Wahrhaftiger Fortschritt findet vor allem
auf Herzensebene statt.
© Ingo Christoph Müller – Pfade der Zuversicht
Vielen Dank an Ingo Christoph Müller – für die Freigabe dieser Veröffentlichung.